„Alternative News“ und ihr Erfolg auf Facebook

Titelbild SPiNNWERK Sommer-Analysen 2018
Alternative Fakten, Fehlinformation und Fake News (Falschmeldungen) sind kein Phänomen, das erst durch Social Media aufgekommen ist. Gerüchte, Klatsch und Tratsch sind ebenso alt wie die Menschheit selbst. Die Tragweite im digitalen Zeitalter ist jedoch eine andere, weil die sozialen Netzwerke längst für viele zur wichtigsten Informationsquelle geworden sind. Der berühmte Leitsatz von Facebook “Bringing the world closer together” hat sich in dieser Hinsicht längst bewahrheitet.

Im dritten Teil unserer SPiNNWERK-Sommer-Analysen, wollen wir einen Blick auf parteinahe Nachrichtenquellen aus Österreich werfen, feststellen, wie erfolgreich sie aus Social-Media-Sicht sind und eine Einordnung ihrer sozial-medialen Verbreitung vornehmen.

 

„Zwei mal drei macht vier, widewidewitt“… – Eine Welt, wie sie gefällt..?

Unternehmen, Organisationen und natürlich auch politische Parteien wissen das – mehr oder weniger – geschickt für sich zu nutzen und bauen sich ihre eigene Welt mit ihnen nahestehenden „Nachrichten-Portalen“. Für die für Otto-Normal-UserInnen scheinen diese oft wie unabhängige Newsportale, die sich als „Aufdecker der wahren Fakten“ präsentieren, die von den „Systemmedien“ bewusst unter Verschluss gehalten werden.

Aufgabe dieser Plattformen ist allerdings keine unabhängige, objektive Berichterstattung, sondern Stimmungs- und Meinungsmache. Oft bedienen sie sich unterschiedlichster Mittel, wie der Verknappung, falscher Kontextualisierung oder Verzerrung von Informationen, was bis hin zum Publizieren glatter Falschmeldungen reicht.

Während NEOS, Liste Pilz, die Grünen und auch Sebastian Kurz‘ ÖVP (oder ihr nahestehende Akteure) bislang mit keinen nennenswerten oder unter bestimmten Kriterien erfolgreichen Plattformen auffällig wurden, lassen sich mit dem oberösterreichischen Wochenblick, unzensuriert.at oder Info-direkt (Vice hat dazu ausgiebig recherchiert) gleich drei, der FPÖ nahestehende, Plattformen identifizieren, die auch immer wieder beliebtes Linkziel von Facebook-Posts der Parteispitzenleute sind.

Während man sich in den Impressen der FPÖ-nahen Plattformen tunlichst bemüht, keinen offensichtlichen Zusammenhang mit der Partei herzustellen, macht der Parlamentsklub der SPÖ kein Geheimnis daraus, hinter kontrast.at zu stehen. Beim, mittlerweile offline genommenen, Angebot Politiknews.at (oder anderen Grauslichkeiten aus der Affäre Silberstein) war das noch nicht ganz so…

Die blauen und roten Newswelten in Zahlen

Kommen wir nun zur ersten Analysefrage: Wie groß und erfolgreich sind die parteinahen Plattformen im Kontext zu den Seiten der Parteivorsitzenden?

Während die Fanbasen der „blauen Plattformen“ zwar deutlich kleiner sind, als die von HC Strache, zeigt sich aber vor allem bei den Shares und der Reaktion „wütend“ die starke Rolle von Wochenblick & Co:

Vergleich Facebook KPIs FPÖ und FPÖ-naher Quellen Vergleich Facebook KPIs FPÖ und FPÖ-naher Quellen Vergleich Facebook KPIs FPÖ und FPÖ-naher Quellen

Vergleich Facebook KPIs FPÖ und FPÖ-naher Quellen

 

In der „roten Newsblase“ fällt das starke Wachstum von kontrast.at ins Auge. Bei den, für die Reichweite von Posts besonders wichtigen Shares, liegt kontrast.at sogar vor SPÖ-Chef Christian Kern:

 

Gemeinsam haben die beiden Vorsitzenden, die ja sonst so manches trennt, dass sie bei der liebevollen Reaktion „Love“ klar die Lieblinge ihrer Communities sind.

 

Parteinahe Newsplattformen auf Facebook erfolgreicher als große Qualitätsmedien

Um die Performance-Werte der parteinahen Newsplattformen einzuordnen und ihren Einfluss deutlich zu machen, haben wir außerdem ihre wichtigsten KPIs mit den Performance-Werten der großen, in der ÖWA gelisteten, Qualitätstageszeitungen  aus dem zweiten Teil unserer SPiNNWERK-Sommer-Analysen, verglichen.

 

 

 

Summiert man die Performance der drei rechten Newsplattformen, kommt man gar auf eine, mit der Boulevardgröße Kronen Zeitung vergleichbare, Performance:

Die Krone.at ist übrigens die beliebteste Link-Quelle für Facebook Posts von HC Strache. Das zeigen die folgenden Grafiken aus unserem Analyse-Tool Fanpage Karma. Hier gilt: je größer die Link-Quelle dargestellt ist, desto häufiger wird darauf auf der jeweiligen Facebookseite verlinkt:

Linkquellen_Strache Facebook

Die Lieblings-Link-Quelle von Sebastian Kurz ist, für viele wahrscheinlich wenig überraschend, seine eigene Website. Besonders stark verlinkt wird aber auch hier Krone.at:

Linkquellen_Kurz Facebook

Oppositionsführer Christian Kern bietet seinen Fans & Followern die größte Link-Vielfalt. Allen voran mit dem Kurier, gefolgt von ORF-Seiten, derStandard.at und kontrast.at als die vier mit Abstand am häufigsten verlinkten Quellen:

Linkquellen_Kern Facebook

 

Fazit: „Die Ergebnisse werden, je nachdem wo man (medien)politisch steht, erfreuen oder schockieren. Jedenfalls aber sollten wir uns alle die Frage stellen, ob Newsplattformen, die wie unabhängige Medien daherkommen, aber eine klare Agenda haben, dem demokratischen Diskurs zuträglich sind.“

 

Warum ein Facebook Rückzug der falsche Weg wäre

Armin Wolf hat dazu kürzlich auf seinem Blog auf die folgende Frage eine gleichermaßen pragmatische, wie kluge Antwort gefunden:

„Soll man Plattformen mit derart großem Publikum tatsächlich den Propagandisten und Paranoikern überlassen und den Verführern und Verkäufern? Während sich „traditionelle“, seriöse Medien immer schwerer tun, vor allem junge Menschen zu erreichen?“

Wolf: „Wenn die zentrale Aufgabe von seriösen Journalisten so etwas ist wie „Aufklärung“, dann brauchen sie dafür Publikum. Und wenn das Publikum nicht mehr zu uns kommt, müssen wir eben zu ihm.“

Facebook, Twitter und Co. bieten eine neue Form der Öffentlichkeit und geben jeder oder jedem Raum, gehört zu werden. Soziale Medien sind eben, was sie sind: Ein Ort, an dem unterschiedliche Meinungen, Nationalitäten, Menschen mit guten aber auch mit betrügerischen Absichten zusammentreffen.

Das für User, immer schwieriger werdende, Unterscheiden, zwischen unabhängigen Fakten, politisch gefärbten Meldungen oder glatten Fake-News mündete in einer, spätestens seit Trump breit geführten, Debatte und brachte die großen Social-Networks unter immer größeren Zugzwang. Was uns zu der Frage führt:

Was unternimmt Facebook gegen Fake-News?

Entfernen, reduzieren und informieren – so lautet die Strategie des Konzerns in diesem Zusammenhang. Was bedeutet das im Detail?

1. Entfernen von Fake-Accounts

Teilnehmerinnen oder Teilnehmer, die gegen die (immer wieder umstrittenen) Gemeinschaftsregeln oder Werberichtlinien verstoßen, werden von Facebook abgestraft. Wer dagegen verstößt, muss damit rechnen, dass die Inhalte oder sogar der Account gelöscht werden.

2. Reduzieren von Falschmeldungen im News-Feed

Der Konzern ist daran interessiert, die Verbreitung von Fake-News und fragewürdigem Content einzudämmen. Unzählige Inhalte werden dabei von externen Unternehmen, die durch das International-Fact-Checking-Network zugelassen sind, überprüft. Spams, Clickbaits und Falschinformationen sollen dadurch im Facebook-Newsfeed weit nach unten rutschen.

Beide Maßnahmen führen für Facebook und Twitter neuerdings, aufgrund der Löschungen, auch zu leichten Rückgängen bei den Userzahlen. Obwohl gleichzeitig die Gewinne stiegen, wurden beide Plattformen an den Börsen massiv abgestraft.

3. Informieren über Artikel sowie Verfasserinnen und Verfasser

Dieser Teil der Strategie befasst sich damit, Facebook-Userinnen und -User aufzuklären. Dazu werden Hintergrundinformationen über die Senderin bzw. den Sender des Artikels geliefert. Nutzerinnen und Nutzer können über einen Kontext-Button, der in Zukunft beim jeweiligen Beitrag zu finden sein wird, Details über die Verfasserin bzw. den Verfasser erhalten. Mit diesem, in den USA bereits ausgerolltem, Tool möchte Facebook mehr Bewusstsein schaffen und Usern bessere Möglichkeiten bieten, selbst zu entscheiden, welchen Inhalten sie trauen können und welche sie lesen oder teilen möchten.

Alle dieser Maßnahmen zielen darauf ab, dass Produzentinnen und Produzenten von Falschmeldungen den Reiz an der Sache verlieren. Die Idee dahinter: „Wenn mit Fake News kein Geld zu verdienen ist, werden sie auch gar nicht erst gepostet.“ Wie der Konzern aktuell über ein besseres Facebook erläutert.

Hilfe im Informationsdschungel der sozialen Medien

Während es vorkommt, dass Vertreter der österreichischen Bundesregierung selbst auf fragwürdige Quellen verlinken, stellt sich die deutsche Bundesregierung der Problematik mit gezielten Maßnahmen entgegen und nimmt es sich zum Vorsatz, an Debatten in digitalen Räumen, in denen Fehlinformationen grassieren, präsent zu sein. Zudem gibt es Vereine und Initiativen wie Mimikama, die es sich zur Aufgabe machen, der Verbreitung falscher Informationen im Internet entgegenzuwirken und User*innen aufzuklären.

 

Was können wir selbst unternehmen, um uns vor Fake-News zu schützen?

  • Ganz grundsätzlich: Werbeanzeigen und Beiträge kritisch hinterfragen
  • Überprüfen, von wem die Information versandt wurde
  • Recherchieren, ob und wie auch andere, vertrauenswürdige, bekannte Quellen über die bestimmte Nachricht berichtet haben
  • Überprüfen, ob es einen Quellen-Link zum Artikel gibt

Kurz gesagt also kritisch surfen 😉

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