Safer Surfing


Der Cambridge Analytica-Skandal, der in den letzten Wochen die Medien beherrschte, hat uns einmal mehr gezeigt, dass im Umgang mit Social Media mehr Bewusstsein geschaffen und Aufklärungsarbeit geleistet werden muss. Als Digital-Agentur sehen wir es als unsere Verantwortung einen Teil dazu beizutragen. In diesem Artikel erfährst du, wann Daten weitergegeben werden, wie du dich selbst davor schützen kannst und warum Verantwortung der Schlüssel zu mehr Sicherheit ist.

Wir leben im Zeitalter des Datentransfers

Bringen wir es auf den Punkt – Facebook Inc. ist, was es ist: ein profitorientiertes Unternehmen. Und damit verfolgt es, wie alle „gratis“ zur Verfügung gestellten Plattformen – ob Nachrichtenangebot oder andere Social Media Kanäle – dasselbe oder zumindest ein ähnliches Geschäftsmodell: Sie sammeln und verarbeiten die Daten ihrer UserInnen, um selbige mit möglichst zielgerichteter Werbung erreichen zu können. Der Verkauf von Daten an Dritte gehört hier jedenfalls nicht zum Geschäftsmodell von Facebook. Mark Zuckerbergs Unternehmen verdient nichts an der Weitergabe von Userdaten an Drittanbieter-Tools und die Entwickler von Drittanbieter-Tools können die Facebook-Developer-Plattform mit ihren Schnittstellen genauso kostenlos nutzen, wie Otto-Normal-User.

Wer stößt die Datenweitergabe an?

Ein Psychotest oder lustiges Spiel da, ein interessantes Whitepaper dort. Die scheinbar ohne Gegenleistung zur Verfügung gestellten Angebote bekommt man nur durch Weitergabe bestimmter Daten. Ergo: Wir bezahlen nicht mit Geld, sondern mit jenen Informationen, die wir von uns preisgeben. Es sind sozusagen kleine Kaufverträge, die wir mehr oder weniger oft abschließen.

Die im Bild dargestellten kleinen Tests kennen wir wahrscheinlich alle. Seit jeher erfreuen sich diese kleinen „Psycho-Tests“ großer Beliebtheit und tauchen so immer wieder in unserem Newsfeed auf. Ein netter Zeitvertreib, der von unzähligen Drittanbietern – so auch Cambridge Analytica – angeboten wurde und wird.  Ohne viel nachzudenken wurden dort – und bei weitem nicht nur dort – derartige Tests von unzähligen UserInnen ausgeführt. Die Anmeldung dazu ist auch herrlich einfach. Ein Klick über den Facebook-Login-Button und schon kann man nach wenigen Fragen das Ergebnis einsehen und teilen. Moment mal! Ein Klick?

 

 

Was von vielen Usern nicht beachtet wurde und immer noch nicht wird, ist, dass nur in diesen Fällen tatsächlich UserInnendaten von Facebook an den Betreiber der Testplattform übermittelt werden. Facebook informiert vor Abschluss dieser kleinen Kaufverträge über wichtige Details. Und zwar: Firma XY erhält Zugriff auf beispielsweise dein öffentliches Profil, deine Freundesliste, Chronikbeiträge, Fotos und „Gefällt mir“-Angaben.

Und genau an diesem Punkt sollte man sich die Frage stellen: Welche und wie viele Daten will ich wirklich weitergeben lassen? Möchtest du zum Beispiel nicht, dass ein Anbieter Zugriff auf deine Freundesliste erhält, kannst du das in den Einstellungen regulieren. Im Fall von Cambridge Analytica hatten unzählige User in ihren Facebook Privatsphäre-Einstellungen den Zugang zu ihrer Freundesliste nicht beschränkt. So konnte das Datenanalyse-Unternehmen auch auf Daten von Freunden zugreifen, ohne, dass diese je um ihr Einverständnis gefragt wurden.

 

 

#DeleteFacebook – PR Schmäh oder echte Sorge um Userdaten?

So manche trommeln jetzt eifrig #DeleteFacebook und kündigen den Ausstieg an. Der Chefredakteur des Playboy Deutschland erklärt und begründet den Facebook-Ausstieg des wohl bekanntesten Männermagazins der Welt wie folgt:

„Grund sei der Datenskandal des Sozialen Netzwerks. […].
Die Entwicklungen rund um den Schutz der Nutzerdaten verfolge man mit großer Sorge und man werde den weiteren Verlauf beobachten.“

Nachdem der Playboy aber die zu Facebook gehörende Plattform Instagram munter weiter nutzt und auf seiner eigenen Seite nicht allzu sparsam mit dem Einsatz von Trackingtools von Drittanbietern ist, kann der Playboy Facebook-Ausstieg wohl getrost als billiger PR-Schmäh abgetan werden…

Was imho aktuell in der Berichterstattung viel zu kurz kommt (oder bewusst verschwiegen wird?) ist die Tatsache, dass auch abseits von Facebook & Co Nutzerdaten gesammelt und verarbeitet werden. Auch „normale“ Nachrichtenplattformen (wie im Bild unten OE24) tracken laufend und überaus eifrig die BesucherInnen ihrer Website.

Reißerische Überschriften wie „So gefährlich ist Facebook“ bei gleichzeitigem Einsatz aller möglichen Trackingtools – u.A. genau von dem angeblich so gefährlichen Facebook – UND die Aufforderung an die LeserInnenschaft dem Chef doch auf Facebook zu folgen, lassen sich für mich am besten mit:

  
Social-Media-tauglich beschreiben.

Die Datenschutzerklärungen der Plattformbetreiber listen dabei obendrein oftmals nicht alle eingesetzten Trackingtools und Drittanbieter auf. Mit Hilfe des Tools ghostery lässt sich dabei für UserInnen allerdings leicht überprüfen, was die jeweilige Plattform tatsächlich trackt:

 



 

Das Tracking der UserInnen-Daten geschieht in vielen Fällen mit Hilfe von Pixel – kleinen Codes, die es Unternehmen ermöglichen, von fremden Plattformen Informationen über ihre User in Erfahrung zu bringen.

Hat ein Unternehmen beispielsweise wie oe24 ein Facebook Pixel eingebaut, so werden die Facebook-UserInnendaten im Hintergrund an dieses weitergeleitet. Doch nicht nur Facebook nutzt und stellt Pixel zum Tracken zur Verfügung. Es gibt zahlreiche andere Firmen, die diese Codes anbieten. Google zum Beispiel. Nicht zufällig werden wir oft wochenlang von einem bestimmten Paar Schuhe verfolgt, welches wir uns erlaubt haben (noch) nicht zu kaufen 😉

Wer das nicht möchte, kann diesen Vorgang weitgehend verhindern, indem man sich vor dem Besuch einer beliebigen Website vorab auf Facebook & Co ausloggt und seine Cookies im Browser löscht und/oder ghostery einsetzt. Ghostery spürt nämlich Tracking-Technologien auf und blockiert sie, beschleunigt so den Aufbau der Internetseiten, macht sie übersichtlicher und schützt deine Daten!

 

Facebook-Privatsphäre-Check

Um Usern den Zugang zu ihren Sicherheitseinstellungen übersichtlich zu gestalten und zu erleichtern, hat Facebook diese unter dem Menü „Privatsphäre auf einen Blick“ zusammengefasst. Diese sind sehr umfassend und übers Smartphone als auch am Desktop einfach abzurufen. Unter anderem kannst du dort einstellen, welche Daten von dir verwendet werden, damit dir passende Werbung zugespielt wird. Auch Beiträge, die von dir geshared wurden, können im Nachhinein wieder gelöscht werden. INSBESONDERE kann dort auch gecheckt werden, welchen Apps von Drittanbietern man so im bisherigen Facebook-Leben Zugang zu seinen Daten gegeben hat und immer noch tut!

In Zeiten der Informationsflut, in der wir uns ständig auf irgendwelchen Apps, Kanälen und sonstigem an- und abmelden, mag es auf den ersten Blick mühsam erscheinen unsere Sicherheitseinstellungen zu verwalten. Doch mit den neuen Medien haben wir nicht nur mehr Macht erhalten, sondern auch mehr Verantwortung!

 

Wir alle müssen uns in die Pflicht nehmen

Ob Facebook in der Zusammenarbeit mit Cambridge Analytica nicht rechtskonform gehandelt hat, möchten wir an dieser Stelle gar nicht bewerten. Sicher muss sich Mark Zuckerberg und seine Truppe da allerlei berechtigte Vorwürfe gefallen lassen…

Die aus unserer Sicht noch viel wichtigere Frage sollten wir uns aber selbst stellen: Wie können wir in Zukunft Datenmissbrauch bis zu einem gewissen Grad selbst verhindern? Das Schlüsselwort dazu lautet: Verantwortung. Egal, ob wir uns als Unternehmen oder Privatperson in Social Media begeben, wir alle müssen uns informieren und gegebenenfalls vor der missbräuchlichen Verwendung unserer Daten schützen. Erst recht, wenn wir wissen, dass die Gesetzgebung der rasanten Digitalisierung hinterherhinkt.

Auch wir Agenturen, die als Schnittstelle zwischen Unternehmen und Zielgruppen fungieren sind von dieser Verantwortung nicht ausgenommen. Wie geworben wird, wie Daten verarbeitet werden und sich an Gesetze gehalten wird, liegt immer noch in der Verantwortung der Menschen dahinter.

Wenn sich SeitenbetreiberInnen, NutzerInnen und Werbetreibende in der Beziehung zueinander an die Spielregeln halten, können alle ihren Mehrwert daraus ziehen: Die PlattformbetreiberInnen verdienen Geld. Werbetreibende können ihre Zielgruppen treffgenau erreichen und NutzerInnen können die Plattformen nicht nur kostenlos nutzen, sondern werden dort im Idealfall für sie relevante Werbung (statt nervender Blink-Blink-Und-Überlapp-Banner) sehen. Win-Win-Win also, wenn alle sauber arbeiten…

In diesem Sinne: viel Spaß beim Safer Surfen! 🙂

 

PS: Unsere Datenschutzbestimmungen findest du übrigens hier.

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